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Aktuelle Meldungen

Suizidzahlen steigen auf höchsten Stand seit 1998 – besonders starker Anstieg bei Frauen

Führt die zunehmende Suizidassistenz zum starken Anstieg der Suizide bei Frauen?

Zentrale Ergebnisse 

  • 11.334 Menschen starben 2025 in Deutschland durch Suizid. Das sind 962 mehr als im Vorjahr (+9,3 Prozent) und so viele wie seit 1998 nicht mehr.
  • Nach einem jahrzehntelangen tendenziellen Rückgang ist die Zahl der Suizide seit 2020 um rund 23 Prozent gestiegen. Im Februar 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung aufgehoben.
  • Die Suizide bei Frauen nahmen um 17,9 Prozent zu, bei Männern um 5,8 Prozent. Auf Frauen entfallen 530 der 962 zusätzlichen Todesfälle.
  • Bei Frauen geht die Zunahme nahezu vollständig mit einem Anstieg medikamentenbezogener Suizide einher. Hier wurden 520 zusätzliche Todesfälle registriert.
  • Die Suizide im höheren Lebensalter und die Zahl der assistierten Suizide nehmen weiter zu.

Das Nationale Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro) und die Deutsche Akademie für Suizidprävention (DASP) haben die Todesursachenstatistik für 2025 ausgewertet. Der starke Anstieg der Suizide bei Frauen und die deutliche Zunahme medikamentenbezogener Todesfälle werfen die Frage auf, welchen Anteil die wachsende Zahl assistierter Suizide an dieser Entwicklung hat.

Suizide bei Frauen steigen wesentlich stärker als bei Männern 
Männer sind mit 69,2 Prozent weiterhin deutlich häufiger von Suiziden betroffen als Frauen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt jedoch eine zunehmende Annäherung der Suizidraten. Seit 2020 stieg die Zahl der Suizide bei Frauen um 54 Prozent, bei Männern um 13 Prozent. Lag die Suizidrate der Männer 2020 noch beim 3,1-Fachen der Frauen, betrug das Verhältnis 2025 nur noch 2,3 zu 1. 

Besonders auffällig ist der Anstieg der Todesfälle durch Selbstvergiftung mit Arzneimitteln und anderen Substanzen. Bei Frauen erhöhte sich deren Zahl allein von 2024 auf 2025 von 1.073 auf 1.593. Damit entfällt rechnerisch nahezu der gesamte Anstieg der Suizidzahlen bei Frauen auf diese Gruppe von Todesursachen.

Prof. Dr. Barbara Schneider von der geschäftsführenden Leitung des NaSPro sieht vor allem bei älteren Frauen Handlungsbedarf: „Auch wenn weiterhin die meisten Suizide auf Männer entfallen, ist die Entwicklung bei älteren Frauen besonders besorgniserregend. Hier zeichnet sich eine zunehmend betroffene Risikogruppe ab, für die wir gezielte und gut erreichbare Unterstützungsangebote entwickeln müssen.“

Trägt die zunehmende Suizidassistenz zum Anstieg bei Frauen bei? 
Diese Entwicklung fällt zeitlich mit einer deutlichen Zunahme assistierter Suizide zusammen. Drei Suizidhilfeorganisationen meldeten für 2025 insgesamt 1.287 begleitete Suizide, nach 977 im Vorjahr.Daten aus Bayern und anderen Ländern zeigen, dass Frauen assistierte Suizide häufiger in Anspruch nehmen als Männer. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik waren zwischen 2020 und 2024 rund 63 Prozent der durch assistierten Suizid Verstorbenen Frauen. Im Jahr 2024 erfolgten in Bayern bereits knapp 27 Prozent der Suizide von Frauen mit ärztlicher Assistenz. In der Schweiz lag der Frauenanteil bei assistierten Suiziden 2023 bei 60 Prozent, in Österreich 2024 bei rund 52 Prozent. 

Assistierte Suizide werden in der bundesweiten Todesursachenstatistik nicht gesondert ausgewiesen. Die verfügbaren Daten begründen jedoch die Vermutung, dass die zunehmende Suizidassistenz zum Anstieg der Suizidzahlen bei Frauen beiträgt. In welchem Umfang genau, bleibt bislang offen. 

NaSPro und DASP fordern deshalb eine bundesweit einheitliche und unabhängige Erfassung assistierter Suizide. Die DASP beteiligt sich am Forschungsprojekt RegAS – Register für assistierte Suizide, in dessen Rahmen eine bundesweite, systematische Dokumentation aufgebaut wird, um das Suizidgeschehen transparenter zu machen (https://www.register-assistierte-suizide.de). 

Die Politik darf sich nicht darauf beschränken, die Bedingungen der Suizidassistenz zu diskutieren. Sie muss auch dafür sorgen, dass Menschen in suizidalen Krisen frühzeitig erreichbare Unterstützung und Alternativen finden. 

Notwendig sind verlässlich finanzierte und dauerhaft gesicherte Hilfsangebote, die Menschen in suizidalen Krisen möglichst früh erreichen. Dazu gehören neben der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung insbesondere niedrigschwellige Beratungsangebote und regionale Netzwerke, die vielfach von zivilgesellschaftlichen Organisationen getragen werden. 

Georg Fiedler von der Deutschen Akademie für Suizidprävention fordert deshalb ein stärkeres finanzielles Engagement: „Die Zunahme der Suizide ist ein Warnzeichen. Es ist Zeit, in die Suizidprävention zu investieren – auch finanziell. Wer über einen Suizid nachdenkt, muss schnell und einfach Unterstützung finden. Suizidprävention muss Menschen in ihrem Alltag ebenso wie im Gesundheitswesen erreichen. Der Zugang zu Unterstützung darf weder von einem bestimmten diagnostischen Schweregrad abhängen noch an mangelnden Ressourcen oder Budgetgrenzen scheitern.“

Zitiert nach einer Pressemitteilung des Nationalen Suizidpräventionsprogrammn für Deutschland (NaSPro) und der Deutschen Akademie für Suizidprävention (DASP) vom 27.10.2026.