
Behandlung von Testosteronmangel
Ein Testosteronmangel ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Ursache, der Ausprägung der Beschwerden, bestehenden Begleiterkrankungen und den individuellen Lebensumständen. Ziel jeder Behandlung ist es, die Lebensqualität zu verbessern, ohne unnötige Risiken einzugehen.
Das können Sie selbst tun
Vor allem beim funktionellen Testosteronmangel spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle. Bewegung, Ernährung, Körpergewicht und allgemeine Gesundheit beeinflussen den Testosteronspiegel deutlich. Übergewicht, Bewegungsmangel oder Stoffwechselerkrankungen können die Testosteronproduktion senken. Veränderungen in diesen Bereichen können daher eine wichtige Grundlage der Behandlung sein. Studien zeigen, dass durch Gewichtsreduktion und Bewegung der Testosteronspiegel wieder ansteigen kann. Bei manchen Männern lassen sich dadurch Beschwerden deutlich lindern, ohne dass eine Hormontherapie notwendig ist.
Zu den wirksamsten Maßnahmen gehören:
- Gewichtsverlust, vor allem Reduktion des Bauchfetts
- Regelmäßige Bewegung, idealerweise eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining
- Ausgewogene Ernährung
- Ausreichender Schlaf
- Wenig bzw. kein Alkohol
- Behandlung von Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck
Hormonelle Behandlung
Eine hormonelle Behandlung kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein, wenn ein Testosteronmangel eindeutig und wiederholt nachgewiesen wurde. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und den Hormonspiegel wieder in den Normalbereich zu bringen.
Eine Testosterontherapie wird in Erwägung gezogen, wenn:
- typische Beschwerden bestehen und
- wiederholt erniedrigte Testosteronwerte nachgewiesen wurden und
- keine relevanten Ausschlussgründe vorliegen.
Eine Testosterontherapie ist nicht geeignet, wenn:
- ein aktiver Prostatakrebs vorliegt
- ein unerfüllter Kinderwunsch besteht
- bestimmte schwere Erkrankungen (z. B. Schwere Herzinsuffizienz, unbehandeltes Schlafapnoe-Syndrom, unbehandelte Polyglobulie mit einem Hämatokrit-Wert über 50 %) unbehandelt sind
Besonders wichtig: Bei bestehendem Kinderwunsch sollte kein Testosteron gegeben werden, da es die körpereigene Spermienproduktion unterdrücken kann. In solchen Fällen kommen andere Behandlungsansätze infrage, die individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden sollten.
Die Therapie zielt darauf ab, den Testosteronspiegel in den Normbereich zurückzuführen – nicht darüber hinaus. Sie kann sich positiv auswirken auf:
- sexuelles Verlangen und sexuelle Zufriedenheit
- Energie, Motivation und Stimmung
- Muskelkraft und Körperzusammensetzung
- Knochendichte
- Blutarmut
Testosteron kann in unterschiedlichen Formen angewendet werden, zum Beispiel als:
- Gel zur täglichen Anwendung auf der Haut
- Injektion in regelmäßigen Abständen
Welche Form gewählt wird, hängt von medizinischen Aspekten, dem Lebensstil und den persönlichen Vorlieben des Patienten ab.
Wie jede medizinische Therapie hat auch die Testosteronbehandlung mögliche Nebenwirkungen. Dazu gehören unter anderem:
- Anstieg der roten Blutkörperchen
- Flüssigkeitseinlagerungen
- Hautreaktionen bei Gelen
Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind daher wichtig.
Viele Männer haben Sorge, dass eine Testosterontherapie das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Prostatakrebs erhöhen könnte. Diese Befürchtungen werden durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse nicht bestätigt. Große Studien der letzten Jahre zeigen, dass eine fachgerecht durchgeführte Testosterontherapie bei geeigneten Patienten nicht mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle verbunden ist.
Auch in Bezug auf Prostatakrebs gibt es häufig Unsicherheiten im Zusammenhang mit Testosteron. Lange Zeit wurde angenommen, dass Testosteron das Wachstum von Prostatakrebs fördern könnte. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass ein normaler Testosteronspiegel keinen Prostatakrebs verursacht und eine Testosterontherapie bei sorgfältiger ärztlicher Abklärung nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden ist. Wichtig ist: Vor Beginn der Therapie sollte ein bestehender Prostatakrebs ausgeschlossen werden. Während der Behandlung sind regelmäßige ärztliche Kontrollen erforderlich.
Wenn bei Ihnen ein Testosteronmangel diagnostiziert wurde, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Behandlungsmöglichkeiten. Gemeinsam können Sie eine Entscheidung treffen, die zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passt. Dabei werden Nutzen, mögliche Risiken und Alternativen abgewogen. Neben Laborwerten spielen auch Ihr persönliches Empfinden und Ihre individuellen Ziele eine wichtige Rolle.
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Tipps zum Weiterlesen
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Hormontherapie bei Prostatakrebs
- Stiftung Männergesundheit: Wissensreihe Männergesundheit - Testosteronmangel
- Gesundheitsinformation.de: Testosteron
Pro familia Bundesverband: Broschüre Wenn Sexualität sich verändert
Anlaufstellen zum Klinefelter-Syndrom- 47xxy Klinefelter Syndrom e. V.
- Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung e. V.
Letzte Aktualisierung: Juni 2026