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Aktuelle Meldungen

Rauchende Eltern, rauchende Kinder?

KKH-Umfrage: Zigaretten und Alkohol in vielen Familien an der Tagesordnung

Eltern, die sich liebevoll kümmern, gesundes Essen, viel Bewegung und frische Luft: So sollten Kinder aufwachsen. Doch was, wenn Mamas Zigarettenqualm zum Alltag gehört und Papas Biere beim Fernsehen selbstverständlich sind? Eine Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse unter rund 1.000 gesetzlich und privat versicherten Eltern zeigt, dass nicht wenige Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem der Konsum von Tabak und Alkohol an der Tagesordnung ist: Demnach raucht rund ein Viertel der Mütter und Väter (27 Prozent) Zigaretten, Zigarillos oder Pfeifen. 17 Prozent davon greifen nach eigenen Angaben sogar täglich zum Glimmstängel und sind somit regelmäßige oder sogar starke Raucher. Drei Viertel der befragten Eltern trinken darüber hinaus Alkohol (76,5 Prozent). Jede/r Zehnte davon konsumiert täglich oder zumindest mehrmals die Woche Bier, Wein, Sekt oder Hochprozentiges. Bedenklich: Der tägliche Konsum von Alkohol kann ein Indiz für eine Abhängigkeit sein.

Wein gegen Stress? Kinder kopieren Verhaltensmuster
„Wenn Eltern Alkohol und Tabak konsumieren, kann dies nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die körperliche und seelische Entwicklung ihres Nachwuchses stark beeinträchtigen, vor allem, wenn im Beisein der Kinder geraucht und getrunken wird“, betont KKH-Psychologin Franziska Klemm. Denn: Kinder registrieren bereits früh, welche Haltung ihre Eltern gegenüber Suchtmitteln einnehmen und übernehmen entsprechende Verhaltensmuster. Beispielsweise ahmen Kinder bereits ab dem Vorschulalter rauchende Eltern spielerisch nach. Dabei können sich Vorstellungen entwickeln wie: Rauchen ist ungefährlich oder ein normales Verhalten von Erwachsenen. Die KKH-Expertin gibt zu bedenken, dass die Nachkommen von Rauchern später deutlich häufiger selbst zu Rauchern werden als Kinder von Nichtrauchern, vor allem wenn beide Elternteile zu Zigarette & Co. greifen. Rauchen Eltern nur in Abwesenheit ihrer Kinder oder mit großem Abstand zu ihnen, sinkt zwar das Risiko für deren späteren Konsum, ist aber immer noch höher als bei einem gänzlichen Verzicht auf Tabak.

Ähnliches gilt für den Umgang mit Alkohol. Die Gefahr: Alkohol gilt nach wie vor als Kulturgut, ist leicht verfügbar und gesellschaftlich akzeptiert. Wenn Kinder erleben, dass es normal ist, den Feierabend mit einer Flasche Bier einzuläuten oder den Alltagsstress mit einem Glas Wein hinunterzuspülen, befürworten sie möglicherweise dieses Verhalten, anstatt konstruktive Strategien etwa im Umgang mit Belastungen kennenzulernen. „Besonders gravierend können die Folgen für den Nachwuchs sein, wenn bei den Eltern eine Alkoholsucht vorliegt. Vor allem, wenn die Eltern aufgrund ihrer Erkrankung keine verlässlichen und verantwortungsbewussten Bezugspersonen sind. Kinder aus betroffenen Familien fühlen sich häufig alleingelassen und überfordert, nicht selten suchen sie die Schuld für die Sucht der Eltern bei sich“, erläutert Franziska Klemm. Kinder im Schulalter vermeiden es beispielsweise, Freunde mit nach Hause zu bringen, weil sie nicht wissen, in welchem Zustand sich Mutter oder Vater befinden. Andere übernehmen die elterliche Verantwortung und stemmen Aufgaben, zu denen sie in ihrer Phase der Entwicklung eigentlich noch gar nicht in der Lage sind: Sie kümmern sich um Geschwister, erledigen Arbeiten im Haushalt oder versuchen sogar, Geld zu verdienen. Schule und Freundschaften können stark darunter leiden.

„In einer suchtbelasteten Familie aufzuwachsen, ist für Kinder seelisch extrem belastend. Deshalb ist es ist ganz wichtig, diesen Kindern zu vermitteln, dass sie keinerlei Verantwortung für den Suchtmittelkonsum ihrer Eltern tragen“, betont die KKH-Psychologin. „Im Gegenteil. Es sind die Eltern, die dringend Hilfe und Unterstützung benötigen – und nur Erwachsene können sie ihnen geben.“ Erwachsene im Umfeld – etwa in der Schule, in Betreuungseinrichtungen, Verwandte oder Freunde der Eltern – sollten deshalb aufmerksam hinschauen und Hilfe vermitteln.

Schlüssige Regeln und offene Gespräche
Um das Risiko für eine Suchterkrankung und gesundheitliche Schäden für ihren Nachwuchs zu reduzieren, sollten Eltern ihre eigene Vorbildrolle reflektieren. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol und Tabak und eine offene Kommunikation können dazu beitragen, dass Kinder eine gesunde Einstellung gegenüber Suchtmitteln entwickeln. Auch in der Jugend bleiben Eltern noch wichtige Vorbilder, auch wenn das soziale Umfeld und der Freundeskreis mit zunehmendem Alter an Einfluss und Bedeutung gewinnen. Eltern sollten daher unabhängig vom Alter ihrer Kinder widersprüchliche und unschlüssige Signale vermeiden, etwa Aussagen wie ‚Wir sind älter als du, daher dürfen wir trinken oder rauchen‘, sondern vielmehr klare Grenzen aufzeigen. „Welche Regeln sie genau aufstellen, sollten Eltern individuell entscheiden. Wichtig ist nur, dass sie sie nachvollziehbar begründen können“, erläutert die Psychologin.

Eine offene Kommunikation in der Familie ist ebenfalls wichtig, wenn Kinder in der Pubertät Suchtmittel ausprobieren wollen. „Dieses Austesten ist normal und gehört zum Heranwachsen dazu. Was Jugendliche dann brauchen ist zum einen die Orientierung durch Regeln und damit verbundene Konsequenzen. Zum anderen benötigen sie aber auch die Gewissheit, mit ihren Eltern über ihre eigenen Erfahrungen sprechen und alle Fragen stellen zu können, die sie beschäftigen“, betont Franziska Klemm.

Zitiert nach einer Pressemitteilung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse vom 19.10.2026.