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Ursachen eines Testosteronmangels

Ein Testosteronmangel (Hypogonadismus) kann unterschiedliche Ursachen haben. In den meisten Fällen entsteht er nicht plötzlich, sondern entwickelt sich schrittweise. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen, zum Beispiel der Lebensstil, der allgemeine Gesundheitszustand und bestehende Erkrankungen. Die Ursache eines Testosteronmangels ist entscheidend für die passende Behandlung.

Funktioneller Testosteronmangel

Die häufigste Form ist ein sogenannter funktioneller Testosteronmangel. Funktionell bedeutet: Der Körper kann grundsätzlich Testosteron produzieren, wird aber durch innere oder äußere Einflüsse „gebremst“. Die Hoden sind also nicht dauerhaft geschädigt, sondern in ihrer Funktion eingeschränkt.

Übergewicht geht häufig mit einem erhöhten Körperfettanteil einher. Fettgewebe ist hormonell aktiv. Besonders Bauchfett wirkt entzündungsfördernd und kann dazu führen, dass Testosteron vermehrt in andere Hormone (z. B. Östrogene) umgewandelt wird. Auch die Steuerung der Hormonproduktion im Gehirn wird beeinflusst. Die Folge: Der Körper fordert weniger Testosteron an, und die Hoden produzieren entsprechend weniger.

Testosteronmangel und Stoffwechselerkrankungen können sich gegenseitig beeinflussen. Niedrige Testosteronwerte begünstigen Muskelabbau, Gewichtszunahme und Probleme mit dem Zuckerstoffwechsel. Gleichzeitig verschlechtern diese Faktoren wiederum die Testosteronproduktion. Es entsteht ein Teufelskreis, der sich ohne gezielte Gegenmaßnahmen weiter verstärken kann.

Liegt ein funktioneller Testosteronmangel vor, können Betroffene oft selbst aktiv werden: Bewegung, Gewichtsreduktion und die Behandlung von Begleiterkrankungen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Primärer und sekundärer Testosteronmangel

Neben dem häufigen funktionellen Testosteronmangel gibt es zwei deutlich seltenere Formen:

Hier liegt die Ursache direkt in den Hoden. Sie können nicht ausreichend Testosteron bilden, obwohl das Gehirn entsprechende Signale sendet. Mögliche Gründe sind zum Beispiel:

  • genetische Veränderungen (z. B. Klinefelter-Syndrom)
  • Schädigungen durch Chemotherapie oder Bestrahlung
  • schwere Entzündungen oder Verletzungen der Hoden

In diesem Fall liegt die Störung im Gehirn, genauer im Hypothalamus oder in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Die Signale zur Hormonproduktion sind gestört oder zu schwach. Ursachen können sein:

  • bestimmte Tumoren
  • schwere Schädel-Hirn-Verletzungen
  • hormonaktive Medikamente (z. B. Opioide)
  • seltene hormonelle Erkrankungen

Die selteneren Formen erfordern häufiger eine gezielte hormonelle Therapie. Eine sorgfältige ärztliche Abklärung hilft, unnötige oder verfrühte Behandlungen zu vermeiden und die individuell passende Strategie zu finden.

Zitzmann, M., Soave, A., & Bier, S. (2026). Functional testosterone deficiency in aging men: Clinical impact, diagnostic pathways, and treatment strategies. Maturitas, 207(108870). https://doi.org/10.1016/j.maturitas.2026.108870  

Salonia et al. (2025). EAU-Guidelines-on-Sexual-and-Reproductive-Health-2025.pdf. Zugriff am 13.02.2026. 

Corona et al. (2020). European academy of andrology (EAA) guidelines on investigation, treatment and monitoring of functional hypogonadism in males. Andrology, 8(5), 970–987. 

Bhasin et al. (2018). Testosterone therapy in men with hypogonadism: an Endocrine Society clinical practice guideline. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 103(5), 1715–1744.

Zitzmann et al. (2026). Cardiovascular safety of testosterone therapy-Insights from the TRAVERSE trial and beyond: A position statement of the European Expert Panel for Testosterone Research. Andrology, 14(1), 294-302. doi:10.1111/andr.70062  

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Letzte Aktualisierung: Juni 2026