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Kontrollstress, Unsicherheit und Zukunftsangst durch KI am Arbeitsplatz
Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz verändert das Leben der Beschäftigten spürbar: Wer regelmäßig KI nutzt, gewinnt rund 6 Stunden pro Woche. Doch was nach Entlastung klingt, belastet viele mental: Mehr als die Hälfte der KI-Nutzerinnen und KI-Nutzer empfinden ihre Arbeit inzwischen als fehleranfälliger oder unsicherer. Vor allem jüngere Beschäftigte übernehmen neue Aufgaben, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen.
Mithilfe von KI läuft die Arbeit heute in vielen Unternehmen schneller. 4 von 10 Beschäftigten nutzen die Tools inzwischen regelmäßig, häufig gefördert durch Software-Lizenzen und Schulungen des Arbeitgebers. Die Mehrheit erledigt etwa Routineaufgaben schneller und hat mehr Zeit für anspruchsvolle Tätigkeiten. Zudem macht mehr als die Hälfte der KI-Nutzerinnen und KI-Nutzer häufiger überpünktlich Feierabend.
Doch die Entlastung hat auch Haken: Die Arbeit mit KI wird von vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmern als fehleranfälliger empfunden. 2 von 3 KI-Nutzerinnen und -Nutzer sagen, dass der Aufwand, Ergebnisse zu prüfen und zu korrigieren, gestiegen ist. „KI kann den Arbeitsalltag gesünder machen: Wenn monotone Aufgaben reduziert werden, die Informationsflut sinkt und kreative Prozesse unterstützt werden, entlastet das unsere kognitiven Ressourcen und kann Stress senken“, sagt Patrizia Thamm, Wirtschaftspsychologin und Resilienz-Trainerin der Pronova BKK. „Wird die gewonnene Zeit aber gleich wieder mit neuen Aufgaben gefüllt und die Erwartungen an die eigene Leistung steigen weiter, kann das zum sogenannten Techno-Stress führen.“
Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlen sich häufiger überfordert
So fühlen sich 2/3 der unter 30-Jährigen durch die Arbeit mit KI-Tools unter Druck. Der Grund: Die Jüngeren übernehmen neue Aufgaben, die nicht ihren Kompetenzen entsprechen und die über ihre Fähigkeiten hinaus gehen. „Wenn Menschen Aufgaben erledigen, deren Ergebnisse sie nicht mehr nachvollziehen können, sinkt das Vertrauen in die eigene Kompetenz. Ihnen kommt das Gefühl der eigenen Selbstwirksamkeit abhanden, also aus eigener Kraft etwas zu bewirken“, sagt Thamm und warnt vor einem steigenden Risiko für Überforderung und Burn-out.
Angst um den Arbeitsplatz wächst
Gleichzeitig haben viele Beschäftigte Angst, dass die neue Technologie Arbeitsplätze kostet. Knapp jede*r 3. kennt im eigenen Umfeld Menschen, die in den vergangenen 12 Monaten den Job wegen KI verloren haben. Auch fast die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer befürchtet, dass KI den eigenen Arbeitsplatz überflüssig macht. Bei den Jüngeren ist die Sorge besonders groß: Rund 6 von 10 der unter 30-Jährigen machen sich Sorgen um den eigenen Job.
Unabhängig vom Alter rechnen 3/4 der besorgten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer damit, dass KI schon innerhalb der nächsten 5 Jahre ihren Job übernehmen könnte. Diese Angst ist nach Ansicht der Gesundheitsexpertin völlig nachvollziehbar. Sie entsteht weniger durch die KI selbst, sondern durch das Gefühl, ihr ausgeliefert zu sein. „Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es deshalb wichtig, die Kontrolle zurückzugewinnen und die Selbstwirksamkeit zu stärken. Wer KI-Tools aktiv ausprobiert und sich Wissen aneignet, ersetzt diffuse Ängste durch konkrete Erfahrungen. Wissen, Austausch am Arbeitsplatz und Selbstfürsorge sind die besten Mittel gegen Zukunftsangst im digitalen Wandel“, sagt Patrizia Thamm von der Pronova BKK.
Über die Studie
Für die repräsentative Studie „Arbeiten 2025“ der Pronova BKK wurden 1230 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahren im Oktober 2025 online befragt. Die Befragung gibt einen Einblick, wie die Männer und Frauen Stress und Arbeitsklima wahrnehmen, wie sie mit Erkrankungen und Ausfallzeiten umgehen und über den Einsatz von KI im Berufsleben.
Zitiert nach einer Pressemitteilung der Pronova BKK vom 26.01.2026