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Fast 30 % der Berufstätigen arbeiten am Limit – und keine*r merkt’s
Quiet Cracking im Job gilt als die leise Schwester des Burn-outs. Die Beschäftigten funktionieren weiter, obwohl sie innerlich längst erschöpft sind. Vorgesetzte und Kolleg*innen bemerken davon nichts. Fast jede 3. erwerbstätige Person in Deutschland hat diese stille Überlastung bereits erlebt. Besonders alarmierend: 40 % der unter 30-Jährigen sind betroffen – deutlich mehr als im Durchschnitt aller Beschäftigten.
Als modernes Arbeitsleiden ist Quiet Cracking sogar weiter verbreitet als die innere Kündigung, zeigt die Studie: 24 % der Befragten haben schon mal innerlich gekündigt. 31 % haben dieses Verhalten bei Kolleg*innen beobachtet.
Der Grund für diese Phänomene: Dauerstress, fehlende Wertschätzung und lange Arbeitszeiten prägen für viele den Berufsalltag. 42 % nennen zu viel Stress als Hauptursache für ihre Unzufriedenheit. 40 % beklagen fehlende Wertschätzung am Arbeitsplatz und 29 % leiden unter Überstunden, Schichtarbeit und ständiger Erreichbarkeit. Patrizia Thamm, Wirtschaftspsychologin und Resilienz-Trainerin bei der Pronova BKK, erklärt, warum gerade die stille Überlastung so gefährlich ist: „Quiet Cracking verläuft schleichend und oft unbemerkt. Die Betroffenen funktionieren nach außen weiter, sind innerlich aber bereits erschöpft oder ausgebrannt. Die Überlastung bleibt für Führungskräfte und Kolleg*innen lange unerkannt. Deshalb greift die Prävention oft zu spät.“
Die Angst vor Konsequenzen ist groß
Warum so viele Beschäftigte ihre Erschöpfung verbergen, hat unterschiedliche Gründe. Vor allem die Angst vor negativen Konsequenzen spiele eine große Rolle, so die Wirtschaftspsychologin: „Manche möchten keine zusätzliche Belastung für ihr Team sein oder Konflikte vermeiden. Kurzfristig gibt das Sicherheit, langfristig verstärkt es aber die Isolation und verschlimmert die Belastung.“
Das Verhalten der Führungskräfte ist ein entscheidender Faktor für die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden. Knapp jede*r 4. berichtet von Problemen mit Vorgesetzten oder der Chefetage. Rund jede*r 2. gibt an, dass Führungskräfte Dinge einfordern, die sie selbst nicht vorleben. Fast ebenso viele empfinden ungleiche Behandlung als belastend.
„Anerkennung und Feedback sind kein ,nice-to-have‘, sondern entscheidend für psychische Stabilität und mentales Wohlbefinden“, betont Patrizia Thamm. „Führungskräfte können durch Transparenz, Wertschätzung und Fairness psychologische Sicherheit schaffen. Fehlen diese Faktoren, wachsen Frustration und das Gefühl von Kontrollverlust – ein starker Stressfaktor im Arbeitsleben.“
Wege aus der Erschöpfungsspirale
Um aus der stillen Überlastung herauszufinden, empfiehlt die Resilienz-Trainerin eine Kombination aus Selbstreflexion, Grenzen setzen und sozialer Unterstützung. „Wichtig ist, regelmäßig innezuhalten und ehrlich zu prüfen: Wie hoch ist mein Stresspegel? Dann gilt es, Arbeitszeiten, Pausen und Prioritäten bewusst zu gestalten. Gespräche mit Kolleg*innen oder Vorgesetzten helfen, die Isolation zu durchbrechen.“
Gerade für die besonders belasteten jüngeren Beschäftigten in der Gen Z sei das wichtig. „Die junge Generation wächst mit einem dauerhaften Krisenbewusstsein auf. Dieses Gefühl von Unsicherheit erzeugt erheblichen Anpassungsdruck“, sagt die Wirtschaftspsychologin. Daher sei es wichtig, eigene Ressourcen bewusst wahrzunehmen und reale Risiken nüchtern einzuordnen. Mentale Techniken könnten zudem dabei helfen, die Sorgen zu sortieren und wieder mehr Sicherheit zu gewinnen.
Über die Studie
Für die repräsentative Studie „Arbeiten 2025“ der Pronova BKK wurden 1230 Arbeitnehmer*innen ab 18 Jahren im Oktober 2025 online befragt. Die Befragung gibt einen Einblick, wie die Männer und Frauen Stress und Arbeitsklima wahrnehmen, wie sie mit Erkrankungen und Ausfallzeiten umgehen und über den Einsatz von KI im Berufsleben.
Zitiert nach einer Pressemitteilung der Pronova BKK vom 13.02.2026